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Die Sieben Marien
der Andrea Milde




 Die in Spanien lebende deutsche Tapisseriekünstlerin Andrea Milde hat sich fünf Jahre Zeit genommen, die nunmehr fertiggestellte siebenteilige Marien-Serie zu weben. Es wurde ein Meisterwerk daraus, das man in seiner ganzen Vielschichtigkeit betrachten muss.

Die Arbeit hat eine Gesamtgrösse von 4,50 x 1,65 m, wirkt von ferne durch ihre gegliederte Form, die sieben Frauenfiguren, und im Nahbereich durch eine Vielfalt an eingewebten Gestalten, Strukturen und Farbabstufungen. Eine fotografische Abbildung kann immer nur den Eindruck der Fernwirkung erahnen lassen.

Andrea Milde hat sich mit der Geschichte der Tapisserie ebenso auseinandergesetzt, wie mit der kulturellen Tradition ihres Gastlandes, insbesondere mit der gesellschaftlichen Stellung der Frauen.

Die sieben Marien reflektieren ihre Wahrnehmung. Sie zeugen von Bewunderung, Respekt und kritischer Distanz zu diesen Frauen, die einerseits Geborgenheit vermitteln und andererseits von traditionsbedingten Einengungen zeugen. Die Künstlerin sagt selbst, dass sie nach langen Jahren Aufenthalt in Spanien  das Wagnis einging, während des Webens  mit den Frauen im Land auf "Tuchfühlung" zu gehen. Modene junge Frauen in allen Lebenslagen, Engel und Teufel bevölkern wie beiläufig die Bildhintergründe. Sie bieten ein zartes Gegenspiel zur fest verankerten Tradition des Marienkults, der in Spanien noch eine sehr dominierende Rolle spielt.

Ich finde in diesem Siebenteiler die Erzählkunst mittelalterlicher Tapisserien wieder, die ihr Thema oft nach Art der Comic-Strips darbieten; teils sind sie dekoratives Wandkleid im Stil von Volksbibel-Illustrationen. Ihr Spiel mit Vordergrund und Hintergrund, von Haupt- und Nebenfiguren mit ständig wechselnder Bedeutung - das alles steckt in   diesen  Sieben Marien.

Beatrijs Sterk
Ursula
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Beatrijs Sterk
ist Herausgeberin
der
Zeitschrift
'textile forum'
und Gründerin
des European
Textile Network.

Der vorliegende
Text erschien  in
der  MärzAusgabe
im Jahre 2002,
im Rückblick auf
meine Ausstellung
 im Aus- und Fort-
bildungszentrum
des Auswärtigen
Amts, in Bonn.


Weitere Texte: Javier Tolentino